Homeoffice: Was gut funktioniert und wo es noch hakt

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Foto: Alex Kulikov Unsplash

Das Beratungs- und Marktforschungsunternehmen Karmasin Research hat im Auftrag des Vereins Unternehmen Zukunft Arbeitgeber und -nehmer nach den Erfahrungen mit Homeoffice seit Ausbruch der Coronakrise gefragt. Im Interview erklärt Geschäftsführerin Sophie Karmasin, was beim Arbeiten zu Hause gut funktioniert – und welche Hürden es nach wie vor gibt.

Sophie Karmasin (Foto: Gerhard Schmolke)

Frau Karmasin, in der Vergangenheit waren die Einstellungen von Arbeitnehmern und Arbeitgebern zum Thema Homeoffice oft sehr verschieden. Wie ist es heute?

Wir haben im November 2020 im Auftrag des Vereins „Unternehmen Zukunft“ Mitarbeiter und Unternehmen zum Thema Homeoffice befragt – und es hat uns überrascht, wie ähnlich die Perspektiven auf das Arbeiten zu Hause sind. Beide Seiten sehen es sehr positiv, dass flexibles Arbeiten im Homeoffice möglich ist und dass sich damit Familie und Beruf grundsätzlich besser vereinbaren lässt. Sie begrüßen auch die Kosteneinsparungen, die entstehen, weil das Pendeln und die Reisezeiten wegfallen. Das bietet wiederum längere Erholungszeiten. Zudem verringert sich der CO2-Ausstoß. All diese Aspekte bewerten die Befragten positiv.

Gab es Aspekte, die negativ bewertet wurden?

Sowohl die Unternehmen als auch die Mitarbeiter sehen den großen Nachteil, dass beim Arbeiten zu Hause die Sozialkontakte fehlen. Das lässt sich im Lockdown nicht vermeiden. Aber langfristig gesehen halten sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer eher zwei bis drei Tage Homeoffice pro Woche erstrebenswert. 100 Prozent Homeoffice können sich nur wenige vorstellen – eben aufgrund der fehlenden Sozialkontakte.

Wie erleben die Menschen die Arbeitsbedingungen im Homeoffice?

Viele haben in den eigenen vier Wänden keine optimalen Arbeitsräume und auch zu wenig Ruhe. Das gilt natürlich ganz stark im Lockdown, wenn die ganze Familie zu Hause ist, auch die Kinder. Einige belastet das stärker als andere. Die Studie zeigt zum Beispiel, dass es eher die Männer sind, die zu Hause einen Schreibtisch, einen eigenen Laptop und Ruhe haben. Frauen haben diese optimalen Arbeitsbedingungen tendenziell seltener. Dafür sind sie stärker in die Kinderbetreuung und das Homeschooling eingebunden. Daher zeigt sich gerade in diesen Zeiten die klassisch-hierarchische Strukturen unserer Gesellschaft deutlich.

Wie gut ist die Work-Life-Balance im Homeoffice?

Sowohl die Arbeitgeber als auch die Arbeitnehmer sehen das Problem, dass es zu Hause schwerer fällt, Freizeit und Beruf voneinander abzugrenzen. Das liegt auch daran, dass Führungskräfte und Arbeitnehmer die Erwartungen nicht klar absprechen. Viele sind unsicher, wie schnell sie auf Nachrichten antworten müssen und wann sie erreichbar sein sollten. Diese Probleme entstehen eher im Homeoffice, denn wenn das Büro oder den Betrieb verlassen, dann lassen wir normalerweise auch die Arbeit zurück. Von daher ist es auch ganz wichtig, klare Regeln zu entwickeln und gut abzusprechen, welche Erwartungen die Führungskraft an die Erreichbarkeit im Homeoffice hat.

Was müsste sich noch ändern, um die Rahmenbedingungen für das Homeoffice zu verbessern?

Unternehmen und Mitarbeiter wünschen sich klare rechtliche Rahmenbedingungen. Einiges regelt bereits das Homeoffice-Gesetz, das nun im Entwurf vorliegt. Dieses klärt zum Beispiel, wer die Kosten für Arbeitsmittel übernimmt oder wann die Unfallversicherung greift. Offen sind noch Haftungsfragen. Wer haftet zum Beispiel, wenn das Kind den Firmenlaptop zerstört oder die Firewall zu Hause nicht funktioniert? Die Internetleistung müsste sich in vielen Regionen noch verbessern – und die Kinderbetreuung ist ebenfalls nicht überall ausreichend. Diese Punkte gilt es in Zukunft noch zu optimieren.

Interview: Bettina Geuenich

Zur Studie

Karmasin Research hat im November 2020 eine repräsentative Befragung unter 500 österreichischen Unternehmen und 528 Beschäftigten zu ihren Erfahrungen mit Homeoffice seit Anfang der Coronakrise Anfang 2019 durchgeführt. Die Befragung erfolgte im Auftrag des Vereins „Unternehmen Zukunft“, eine Initiative von österreichischen Unternehmen, die familien- und frauenfreundliche Arbeitsbedingungen fördern möchten.

Bettina Geuenich ist die Chefredakteurin der Fachzeitschrift personal manager und des Portals HRM.at. Sie beobachtet seit rund 17 Jahren die HR-Szene in Österreich und schreibt darüber.

Bettina Geuenich

Bettina Geuenich ist die Chefredakteurin der Fachzeitschrift personal manager und des Portals HRM.at. Sie beobachtet seit rund 17 Jahren die HR-Szene in Österreich und schreibt darüber.