Corporate Learning Community startet in Österreich

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Foto: Adi Goldstein, Unsplash

Es hat etwas gedauert, aber nun gibt es auch eine Corporate Learning Community in Österreich! Schon vor einigen Jahren in Deutschland gegründet (wo es bereits mehr als zwölf regionale Communites gibt), hat sich dann auch in der Schweiz eine Gruppe gebildet. Mit der Formierung einer Community aus Lern- und Entwicklungsexperten in Österreich ist damit der DACH-Raum komplett vernetzt.

Worum geht es bei Corporate Learning?

Corporate Learning hat die Aufgabe, Lernen in einem Unternehmen zu ermöglichen und zu fördern – und das am Besten gemeinsam und über alle Zielgruppen hinweg. Der Formate- und Werkzeugkasten für diese Aufgabe ist meist praller gefüllt, als es viele für möglich halten: Dazu gehören somit nicht nur Training und eLearning, sondern auch Wissensmanagement-Maßnahmen, Barcamps, Virtual Coffee Breaks, Lunch&Learn Session, Communities of Practice, Enterprise Social Networks und vieles mehr. Viele unterschiedliche Professionisten wie Personal- und Organisationsentwickler Aus- & Weiterbildner, eLearning-Experten, HR Specialists, Trainer, Wissensmanager, usw. gestalten Lernen in Organisationen. Für all diese Personen soll die Community eine Möglichkeit sein, gemeinsam zu Lernen, Erkenntnisse auszutauschen und neue Erfahrungen zu sammeln.

Die Zeit ist günstiger denn je. Die corinabedingte Ausnahmesituation hat zu einem Umdenken geführt. Online-Formate sind mit einem Schlag in den Firmen etabliert. Was mit allen Digitalisierungsbemühungen fast vergeblich versuchte wurde, ist quasi über Nacht eingeführt und Realität geworden.  Online-Trainings, interaktive Web-Sessions, Lessons Learned Workshops, Videokonferenzen funktionieren erstaunlich gut.

Ob diese auch nach der Krise bleiben? Das wissen wir (noch) nicht. Für die Corporate-Learning-Verantwortlichen in den Unternehmen aber bietet sich damit jedenfalls eine großartige Chance, breiter zu denken und einen riesigen Schritt in Richtung Zukunft des Lernens in Organisationen zu machen.

Der Innovationsdruck ist hoch

In den kommenden Monaten steht das betriebliche Lernen also unter enormen Innovationsdruck. Präsenztreffen werden auch weiterhin nur mit Einschränkung möglich sein. Online-Formate sind nicht immer der perfekte und vollwertige Ersatz und fordern bzw. auch überfordern viele Teilnehmer. Das Klassenraumlernen als dominante Version braucht eine Erweiterung und eine Lernkultur abseits von klassischen Trainings muss noch entwickelt werden. Permanentes Lernen im Arbeitskontext ruht derzeit meist auf der Initiative des Einzelnen und geschieht abseits der Organisation. Erst zaghaft entstehen organisationale, informelle Lernmöglichkeiten, wie Learning-Fridays oder feste Lern-Aus-Zeiten im Dienstbetrieb.

Die Fragen sind nicht neu, aber die Dringlichkeit ist drastisch gestiegen.

Umsetzbare Lösungen sind gefragt!

Vor allem mit folgenden Entwicklungen werden wir uns im Corporate Learning auseinandersetzen und gut umsetzbare, leistbare Lösungen dafür entwickeln müssen.

1. Individualisierung

Klassische Trainingsangeboten, die einfach für alle gleich ausgerollt werden (one size fits all) sind schwerfällig und teuer. Individualisierte Angebote erfordern neue, kurze Formate und ausgeklügelte Logistik. Was beispielsweise im Online-Handel bereits im Einsatz ist, ist im Lernumfeld noch weitgehend unbekannt.

2. Informalisierung  und Soziale Integrierung

Lernen auf Vorrat wirkt nicht besonders nachhaltig. Wir brauchen Lernen just-in-time, also viel stärker informell und in den Arbeitsprozess integriert. Zusätzlich reicht
die alleinige Versorgung einzelner mit Lernangeboten nicht mehr. Vielmehr muss auf die motivationale Kraft des sozialen Umfelds gesetzt werden.

3. Jederzeit und überall

Lernen passiert überall und sollte genau dort unterstützt werden. Asynchrone Lernformen werden wichtiger, und damit sind nicht nur WBTs oder Videos gemeint. Die Vielfalt der (technischen) Möglichkeiten ist enorm, deren (organisatorische) Umsetzbarkeit darf dabei aber nicht übersehen werden. 

4. Vom Verkäufer- zum Käufermarkt des Lernens

Die Erfahrung, die das Recruiting machen musste, dass im War for Talents schließlich die Talente gewonnen haben wird auch Corporate Learning nicht verschonen. Lediglich Angebote zu erstellen und auf Abnahme zu warten, reicht nicht mehr. Corporate Learning wird seine Angebote aktiv an den Mann oder die Frau bringen müssen und braucht dafür (neue) Vertriebsstrategien.

5. Lernkulturentwicklung

Wir verbinden Lernen noch immer stark mit Schule und geben die Verantwortung an Lehrende, Vorgesetzte und externe Personen ab. Aber Lernen gelingt nur in der Selbstverantwortung des Lernenden. Gleichzeitig müssen die notwendigen Rahmenbedingungen geschaffen werden. Lernen darf nicht nur als Nachhilfe gesehen werden, sondern als Vorbereitung auf die Zukunft.

Und natürlich viele Fragen!

Das sind jetzt nur ein paar Aspekte. Aber es zeigt schon deutlich, dass sich daraus jede Menge an Fragen ergeben: Wie sehen dann die klassischen Produkte von Corporate Learning digital und analog aus? Wie gelingen hybride Formate? Wie verkaufen wir all das unserem Management? Welche Rolle kann, darf und soll sich Corporate Learning in Organisationen nehmen? Wie wird bei informellen Lernprozessen die Wirksamkeit der Corporate Learning Aktivitäten gemessen? 

Gemeinsam statt einsam in die Zukunft des Corporate Learning

Hier die gute Nachricht: Es gibt viele nützliche noch unbekannte Lernformate und gute Lösungs- und Entwicklungsideen, wie Corporate Learning das Lernen auch in Zukunft gut unterstützen und bewirtschaften kann. Und es gibt auch viele erfolgreiche Initiativen in den Organisationen, Lernen lebenslang zu unterstützen. Leider sind diese noch viel zu wenig bekannt, aber es gibt sie schon, die organisationalen Erfahrungen rund um Learning Experience Plattformen, Learning Eco Systems, Corporate Open Online Courses, Learnathons oder Virtual and Augmented Realities.

Da hilft nur eines: Vernetzung und gemeinsam lernen und weiterentwickeln. Es muss ja nicht jede für sich das Rad neu erfinden. Das gilt auch – und ganz besonders – fürs Corporate Learning. 

Sie sind herzlich eingeladen!

Die Corporate Learning Community Österreich ist eine offene Plattform, damit sich Personal- und Organisationsentwicklerinnen und alle, die sich professionell mit Lernen in Organisationen beschäftigen, austauschen können und Neues entdecken. Wir wollen vieles praktisch ausprobieren und die Zukunft des Lernens in Organisationen vorantreiben.  Unser Motto ist:

„In dieser bunten und breiten Community sollen Austausch, gemeinsame Experimente und Erfahrungen im Vordergrund stehen. Gemeinsam wollen wir Neues entdecken und Wege und Formate finden, Lernen in den eigenen Organisationen wirksam zu unterstützen.“

Wie geht es weiter?

Wer aktiv mitwirken will, kann sich einfach auf der LinkedIn-Gruppe und/oder Telegram-Gruppe anmelden.Dort gibt es auch weiterführende Informationen.

Unser erstes Treffen und Kick-Off wird am 21. Oktober 2021 der Zeit und dem Thema entsprechend hybrid als Mini-Barcamp stattfinden: in Präsenz in Wien und gleichzeitig online. Details und Möglichkeit zur Anmeldung sind hier zu finden.

Und noch ein Sneak Preview: Das erste internationale Treffen wird das Corporate Learning Camp sein, ein BarCamp am 15.- bis 16.April 2021 an der FH Wien.

Legen wir gemeinsam los!

Mag. Herwig Kummer

Herwig Kummer ist Personalmanager beim Österreichischen Automobil-, Motorrad- und Touring Club
(ÖAMTC). Mit seinem Engagement für wirkungsvolle Personalarbeit beschreitet er auch
ungewöhnliche Wege. Auf der kommenden L&Dpro hält er eine Keynote über selbstgesteuertes
Lernen in der Praxis. Darüber bloggt er auch unter www.personaleum.at

Profilbild Clemens Stieger
Clemens Stieger
Geschäftsführender Gesellschafter , | Website

Clemens Stieger ist geschäftsführender Geschäftsführer der GfP. Er ist Psychologe, systemischer Psychotherapeut, Organisationsberater und seit vielen Jahren als Personal- und Organisationsentwickler tätig. Seine Schwerpunkte sind innovative Lernarchitekturen, agile Lernformate und Leadership Development.