Dienstfahrräder: Rückenwind für den Klassiker

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Unternehmen können positiv auf das Klima einwirken, indem sie umweltfreundliche Mobilitätslösungen fördern. Ein Beispiel dafür sind Dienstfahrräder, die seit Anfang des Jahres von der Steuer befreit sind. Über die Zukunft des Jobrads haben wir mit Markus Schuster gesprochen, Senior Expert bei der HERRY Consult GmbH. Sein Unternehmen berät Arbeitgeber in Österreich kostenlos über umweltfreundliche Mobilität und zeigt Fördermöglichkeiten auf. Seit 2005 leitet Herry.at im Auftrag des jetzigen Klimaschutzministeriums das klimaaktiv mobil Beratungs- und Förderprogramm „Mobilitätsmanagement für Betriebe, Bauträger und Flottenbetreiber“.

Markus Schuster, Herry.at

Herr Schuster, wie gefragt sind umweltfreundliche Mobilitätslösungen zurzeit?

Unserer Wahrnehmung nach ist das Interesse an umweltfreundlicher Mobilität bei Unternehmen in den vergangenen Jahren stark gestiegen. In den ersten Jahren des klimaaktiv mobil Beratungsprogramms haben wir vorwiegend Großunternehmen als Kunden gewinnen können. In den vergangenen 15 Jahren konnten wir aber erfreulicherweise auch zunehmend KMU und sogar Einpersonenunternehmen von klimafreundlichen Mobilitätslösungen überzeugen. Durch die Corona-Krise ist seit Mitte März eine gewisse Zurückhaltung eingetreten, weil die Unternehmen teilweise mit anderen, vor allem wirtschaftlichen, Problemen zu kämpfen haben. Es gab aber auch Arbeitgeber, die den Rückgang des Kerngeschäfts zum Anlass genommen haben, sich intensiver mit Themen wie Elektromobilität oder Jobrad zu beschäftigen. Grundsätzlich würde ich also sagen, dass es nach wie vor durchaus ein Interesse für umweltfreundliche Mobilität gibt.

Eine Form der umweltfreundlichen Mobilität ist das Fahrradfahren. Dienstfahrräder sind seit Anfang des Jahres von der Steuer befreit. Wie schaut die Regelung genau aus und was müssen Arbeitgeber beachten?

Durch die Steuerreform, die am 1. Jänner 2020 in Kraft getreten ist, können Unternehmen den Steuervorteil, der bislang nur für E-Pkws galt, auch für Elektrofahrräder und andere Fahrräder nutzen. So ist das Dienstfahrrad und Dienstelektrofahrrad nun klar vorsteuerabzugsfähig – und auch die Privatnutzung ist vom Sachbezug befreit. Das bedeutet, die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen können die Räder auch für private Wege nutzen und bei der Lohnsteuer wird dies nicht als geldwerter Vorteil berücksichtigt. Das sind zwei wesentliche Punkte, die nun eindeutig geklärt sind.

Wie verbreitet sind Dienstfahrräder in Österreich?

Konkrete Zahlen dazu sind mir leider nicht bekannt. Aber meiner Einschätzung nach gibt es in diesem Bereich sicherlich noch Luft nach oben. Die neuen Steuervorteile, kombiniert mit der allgemeinen Rad-Offensive (das Klimaschutzministerium wird heuer noch 40 Millionen Euro in den Ausbau der Fahrradinfrastruktur in ganz Österreich investieren), geben dem Thema „Jobrad“ einen starken Rückenwind. Und wir haben auch bemerkt, dass Menschen, vor allem im städtischen Raum, gerade in Zeiten von Corona gerne auf das Rad steigen, um sich vor Ansteckungen zu schützen. Leider geht diese Entwicklung auch zulasten der Öffis.

Welche Möglichkeiten gibt es für Unternehmen, Dienstfahrräder bereitzustellen?

Unternehmen können entweder ganz klassisch einen Pool von Dienstfahrrädern anschaffen, die Mitarbeiter zum Beispiel über ein Anmeldesystem buchen und für Dienstwege nutzen können. Aktuell geht die Entwicklung aber stärker in die Richtung, Mitarbeitern Jobräder zur Verfügung zu stellen, die sie dann sowohl beruflich als auch privat nutzen können. Große Unternehmen, wie Doppelmayr oder Zumtobel, aber auch öffentliche Verwaltungen, wie Lustenau oder Wolfurt, bieten ihren Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen Jobräder an. Einige Unternehmen setzen auch auf eine Kombination aus Jobticket und Jobrad, damit Mitarbeiter mit der Bahn zur Arbeit fahren und die letzten Kilometer mit dem Rad zurücklegen können. In Kooperation mit der ÖBB gibt es dann auch Abstellmöglichkeiten für die Fahrräder an Bahnhöfen.

Wenn sich Unternehmen entscheiden, Jobräder einzuführen: Wie wählen sie diese dann aus? Und wer trägt die Kosten?

Die Arbeitgeber kooperieren in den meisten Fällen mit Fahrradhändlern, über die sie dann den Mitarbeitern bestimmte Räder zur Auswahl stellen. Üblicherweise ziehen sie den Mitarbeitern dann eine Nutzungsgebühr vom Gehalt ab. Der Betrieb kann den Mitarbeitenden die Fahrräder auch kostenlos zur Verfügung stellen. In diesem Fall müssen diese aber einen Nachweis führen, dass sie die Räder zu mindestens zehn Prozent betrieblich, also für Dienstfahrten, nutzen.

Unternehmen können die Anschaffungskosten für die Dienstfahrräder als Betriebsausgaben abschreiben. Das ist auch dann möglich, wenn ein Arbeitnehmer das Rad nur privat nutzt. Wie lange diese Abschreibung möglich ist, hängt von der Nutzungsdauer ab.

Wenn Arbeitgeber bei der Anschaffung des Fahrrads auch eine Förderung durch klimaaktiv mobil in Anspruch nehmen, dann bleibt das Fahrzeug aufgrund Förderbedingungen für 48 Monate im Eigentum des Betriebs.

Für Elektrofahrräder erhalten die Betriebe eine Förderung von 200 Euro pro Rad, wenn sie mindestens zehn Stück anschaffen.

Wie stehen aus Ihrer Sicht die Chancen für die stärkere Nutzung von Diensträdern? Könnten sie die Dienstwagen künftig vielleicht sogar teilweise ersetzen?

Ich glaube, gerade für den städtischen Bereich sind Dienstfahrräder eine sehr gute Möglichkeit, um sowohl Arbeitswege als auch dienstliche Fahrten mit dem Rad zurückzulegen. Auch die Kombination mit den Öffis ergibt eine gute Alternative zum Auto. Im ländlichen Bereich wird es wahrscheinlich schwieriger sein, einen Dienst-Pkw gegen ein Dienstrad zu tauschen. Hinzu kommt, dass der Dienstwagen normalerweise auch als eine Art Gehaltsbestandteil gesehen werden – und natürlich hat hier ein Auto einen anderen Wert als ein Fahrrad. Daher wird es im ersten Schritt vermutlich eher darum gehen, die Mitarbeiter zu motivieren, ihren Privatwagen stehen zu lassen, um mit dem Rad zur Arbeit zu fahren. Hier spielen Gesundheitsaspekte und Kosteneinsparungen (durch Wegfall der Treibstoffkosten) ebenso eine Rolle wie Umweltfaktoren.

Parallel dazu können und sollten Unternehmen auch über ihre Parkplatzsituation nachdenken und überlegen, ob sie zukünftig nicht weniger Parkplätze für Pkw, jedoch mehr und vor allem qualitativ hochwertigere Radabstellanlagen anbieten sollten. Damit können sie auch Kosten senken. Dass Arbeitgeber ihre Car-Policy zugunsten von Jobrädern grundlegend ändern, glaube ich – zumindest mit Blick auf die nähere Zukunft – eher nicht. Aber die Zeichen stehen gut, dass nachhaltige Mobilitätslösungen insgesamt noch stärker zunehmen werden.

Interview: Bettina Geuenich

Webtipps

herry.at (Website von HERRY Consult)

klimaaktiv.at/mobilitaet/radfahren/job-rad.html (Infos zum Thema Jobrad)

bit.ly/2XHdlCh (Infos zum Beratungs- und Förderprogramm klimaaktiv)

Quelle

Das Interview ist in Ausgabe 4/2020 der Fachzeitschrift personal manager erschienen. www.personal-manager.at

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Bettina Geuenich ist die Chefredakteurin der Fachzeitschrift personal manager und des Portals HRM.at. Sie beobachtet seit rund 17 Jahren die HR-Szene in Österreich und schreibt darüber.

Bettina Geuenich

Bettina Geuenich ist die Chefredakteurin der Fachzeitschrift personal manager und des Portals HRM.at. Sie beobachtet seit rund 17 Jahren die HR-Szene in Österreich und schreibt darüber.