Trainer in der Krise: Covid-19 trifft die Branche besonders hart

Bild zum Interview mit Karl Kaiblinger, Trainer in der Krise
Foto: Kyle Glenn, Unaplash

Trainer haben durch die Corona-Krise enorme Einbußen, einige stehen vor dem Aus. Die Vereinigung der Business-Trainer*innen Österreich  (VBT) hat jetzt eine Petition gestartet. Wir haben mit Karl Kaiblinger, dem Präsidenten des Verbandes, über Inhalte und Hintergründe gesprochen.

Herr Kaiblinger, wie stark trifft die Krise die Trainerbranche?

Wir waren unten den ersten, die einen Totalausfall zu verzeichnen hatten. Vom einen auf den anderen Tag ist das Geschäft bei vielen Kollegen weggebrochen. Das trifft vor allem Neueinsteiger hart, die noch nicht gut in der Wirtschaft vernetzt sind. Aber auch erfahrene Kollegen brauchen eine Perspektive. Ein paar Monate lassen sich noch gut überbrücken, aber wir gehen davon aus, dass viele Unternehmen auch im Herbst noch nicht die Kraft haben, ordentlich in ihre Mitarbeiter zu investieren. Wir sind sehr froh, dass es relativ schnell Soforthilfen gegeben hat. Aber wir brauchen eine langfristige Perspektive.

Was möchten Sie mit der Petition erreichen?

Wir appellieren an die Entscheidungsträger in der Politik, der Wirtschaft ab dem Herbst Förderungen und Anreize zu geben, um in Trainings und Weiterbildungen zu investieren. Denn wir glauben, dass wir ein entscheidender Faktor dabei sein können, die Wirtschaft wieder aufzubauen.

Aber wie berechtigt ist eine Petition für eine einzelne Berufsgruppe? Schließlich ist aktuell fast die gesamte Wirtschaft mehr oder weniger von der Krise betroffen. 

Zum einen glaube ich, dass unsere Branche eine besonders stark betroffene ist, bei der das Geschäft unmittelbar um nahezu 100 Prozent eingebrochen ist – und sich vorerst nicht erholen wird. Zum anderen hat jede Berufsgruppe andere Bedürfnisse – und diese zu artikulieren, ist relevant. Nur so kann die Politik, nur so können andere Organisationen auf unseren Bedarf reagieren. Auch im Sinne der Wirtschaft finde ich es wichtig, darauf hinzuweisen, dass Förderungen für die Aus- und Weiterbildung sinnvoll und notwendig sind – gerade in den nächsten Monaten nach der Krise. Denn ohne Training gibt es keine Spitzenleistungen. Das gilt für den Sport ebenso wie für die Wirtschaft.

Gibt es auch Trainingsbereiche, die in der Krise stark gefragt sind?

Zweifellos – und manches springt auch wieder an. Trainer, die auf Digitalisierung spezialisiert sind, sitzen momentan den ganzen Tag vor dem Bildschirm, um Know-how zu vermitteln. Auch bei Themen wie virtueller Führung oder der virtuellen Zusammenarbeit von Teams gibt es große Herausforderungen. Trainer, die sich auf diese Themen spezialisiert haben, sind gerade sehr beschäftigt.

Inwieweit ist der Umstieg auf digitale Trainings eine Chance für die Branche?

Wir glauben, das ist eine Überlebensfrage. Für die meisten Trainer wird es unumgänglich sein, sich damit zu beschäftigen. Denn das Geschäft wird nach der Krise nicht mehr dasselbe sein wie vorher. Trainings werden künftig immer stärker Online- und Präsenzeinheiten verbinden. Daher haben wir momentan regelmäßig Veranstaltungen über Zoom zu digitalen Themen und zu Blended Learning. Wir haben glücklicherweise die Europameisterin im Blended Learning, Sabine Prohaska, ( falls für Sie ok, könnten wir den Namen anführen. Wenn nicht, bitte wieder streichen)  im Verband, die uns hier stark unterstützt.

Wäre es auch möglich, dass Trainings auf absehbare Zeit nur online stattfinden werden?

Einige Unternehmen signalisieren uns zurzeit deutlich, dass sie warten, bis alles wieder offline geht. Denn es gibt schon Bereiche, die sich besser im direkten Kontakt vermitteln lassen – wenn es um das Feinjustieren geht, um das wirkliche Trainieren, um persönliche Entwicklung. Dafür braucht es auch in Zukunft Präsenztrainings. Aber vielleicht wird es sie nicht mehr in dem Umfang geben wie vorher.

Gibt es neben dem Schritt ins Digitale noch weitere Möglichkeiten, der Krise zu trotzen?

Wir glauben, dass sich einige Trends verstärken werden. Das Training wird zum Beispiel noch näher an den Arbeitsplatz heran rücken und sehr nahe an den tagtäglichen Anforderungen sein. Es wird darum gehen, kleine Learning Nuggets zur Verfügung zu stellen, die nahe an der täglichen Praxis sind. Training wird eine Kombination sein aus digitalen Elementen und Vor-Ort-Aktivitäten. Das Präsenztraining wird aber nicht aussterben, da bin ich ziemlich sicher. Aber wenn zum Beispiel eine Führungskraft einen Konflikt im Team hat, kann es sein, dass sie sich entweder einen Coach holt oder auch ein Video anschaut, das sich auf ein Seminar beziehen, das sie vor einem halben Jahr hatte. Ich glaube, es gibt einfach tolle Möglichkeiten – und damit wird Lernen viel lebendiger, spaßvoller, lustvoller. Das Digitale wird sich auf ganz neue Weise mit dem Analogen verbinden – und es werden neue Formate entstehen. Dabei ist die Trainerzunft gefordert, den Unternehmen Lernsysteme zur Verfügung zu stellen beziehungsweise ihnen zu helfen, so etwas aufzubauen.  

Welche Rolle kommt Ihnen als Verband dabei zu?

Wir sind gerade massiv gefordert. Zum Glück haben wir aber einige Experten im Netzwerk und sind eine gute Gemeinschaft, die viel voneinander lernt. Neben den Workshops zu Digitalisierungsthemen, über die ich schon gesprochen habe, haben wir zurzeit regelmäßige Treffen, bei denen Experten aus dem Netzwerk zum Thema Krise beraten. Da geht es zum Beispiel um rechtliche Fragen oder um Förderungen. Darüber hinaus geht es uns natürlich um Austausch und Vernetzung. Erst gestern haben bei einem Meeting zwei Trainer zusammengefunden, die etwas gemeinsam aufbauen wollen. Ich glaube, diese Vernetzungen bringen viele Vorteile für die Trainer, aber auch die Kunden. Das ist ja auch einer der Gründe, warum es Verbände in der heutigen Zeit noch braucht. Wir brauchen ein vertrauensvolles Umfeld, in dem man miteinander reden kann und nicht jeder alle Probleme selbst lösen muss, aber wir uns so vernetzen können, dass wir für den Kunden schnellere und bessere Lösungen bieten können. Das sehen wir als unsere Kernaufgabe.

Interview: Bettina Geuenich

Profilbild Karl Kaiblinger
Karl Kaiblinger

Karl Kaiblinger ist Präsident der Vereinigung der Business Trainer*innen Österreich (VBT). Mit seinem Unternehmen Kaiblinger + Partner bietet er Beratung und Trainings für Unternehmen in puncto Verkaufskompetenzen, Führungskompetenzen, Konfliktmanagement, Changemanagement, Teambildung, Gesprächsführung und Diagnostik an.

Karl Kaiblinger

Karl Kaiblinger ist Präsident der Vereinigung der Business Trainer*innen Österreich (VBT). Mit seinem Unternehmen Kaiblinger + Partner bietet er Beratung und Trainings für Unternehmen in puncto Verkaufskompetenzen, Führungskompetenzen, Konfliktmanagement, Changemanagement, Teambildung, Gesprächsführung und Diagnostik an.