Recruiting Hacks für Krisenzeiten: ehrlich, transparent und kreativ

Bild zum Beitrag von Julia Hauska, Recruiting Hacks für Krisenzeiten
Foto: Patrick Tomasso, Unsplash

Seit wenigen Wochen herrscht in ganz Europa Ausnahmezustand. Manche Unternehmen mussten oder müssen vorübergehend schließen, andere ins Homeoffice wechseln oder in Kurzarbeit gehen, für einige ist das Arbeitspensum dagegen gestiegen. Die Schlüsselwörter im Recruiting lauten deshalb gerade jetzt Authentizität und Transparenz. Wir zeigen Ihnen sechs Recruiting Hacks, die Ihnen helfen werden, die Krise zu meistern

1. Ehrlich währt am längsten

Es ist eine beispiellose Situation, die sich gerade abspielt, und sie trifft natürlich auch Unternehmen und damit das Recruiting. Der Umgang mit der momentanen Lage wird darüber entscheiden, wie es danach weitergeht. Dementsprechend sind die Herangehensweisen vielfältig und mitunter komplex. Damit Mitarbeiter, aber auch Bewerber und Interessierte Bescheid wissen, wie die Situation im jeweiligen Unternehmen aussieht, empfiehlt sich dieser Tage noch mehr als sonst, möglichst transparent zu kommunizieren. Das gilt nicht nur für Newsletter und Social Media, sondern auch für die Karriere-Website.

Recruiting Hack #1: Ehrlichkeit ist der Schlüssel! Teilen Sie Bewerbern mit, wo Ihr Unternehmen derzeit steht, wie der Arbeitsalltag gerade aussieht und vor allem, ob in naher Zukunft Recruiting-Aktivitäten geplant sind und wie diese aussehen könnten. Dazu muss nicht die ganze Karriere-Website umgestaltet werden, ein Pop-up oder gut sichtbares Banner auf der Landing Page mit den wichtigsten Informationen genügt.

2. Think outside the box

Im digitalisierten Zeitalter steht eine Vielzahl technischer Entwicklungen zur Verfügung, die uns das Leben leichter machen. Besonders in den kommenden Wochen gilt es, die Vorteile dieser Tools zu erkennen und zu nutzen. Bewerbungsgespräche via Skype etwa bergen ein großes Plus: Dass Bewerbern nämlich ein Teil der sonst tendenziell hohen Nervosität genommen wird, weil sie das Gespräch in vertrautem Rahmen – ihrem eigenen Wohnzimmer – abhalten können. Der Einsatz von Video-Tutorials und Webinaren kann das Onboarding aus der Ferne möglich machen. Die deutsche Asklepios-Kliniken-Gruppe mit Sitz in Hamburg macht schon lange vor, wie es auch gehen kann, und nutzt dabei Gamification: In einem interaktiven Video können Kandidaten auf der Website einen Probearbeitstag durchlaufen und so feststellen, ob sie für die Position geeignet sind.

Recruiting Hack #2: Seien Sie kreativ und nutzen sie die vorhandenen technischen Mittel! Führen Sie Bewerbungsgespräche über Videotelefonie, schulen Sie Neueinsteiger mittels Screensharing oder kurzen Videos, organisieren Sie ein Kennenlernen der Kollegen in After-Work-Skypechats – die Möglichkeiten sind vielfältig.

3. Keinen im Regen stehen lassen

Die Unsicherheiten am Arbeitsmarkt sind aktuell hoch, und zwar nicht nur bei Führungspersonen und Mitarbeitern, sondern auch bei Bewerbern, deren Candidate Journey noch vor der Krise begonnen hat. Unternehmen können hier eine gewaltige Chance nutzen: Wer in schweren Zeiten verlässlich, professionell, authentisch und sympathisch agiert, wird auch dann noch in guter Erinnerung bleiben, wenn wieder ein Normalzustand eingekehrt ist. Deshalb sollten wir auch jetzt jene Kandidaten keinesfalls vergessen, die noch auf eine Rückmeldung warten.

Recruiting Hack #3: Herrschen in Ihrem Unternehmen gerade Unsicherheit oder ein Aufnahmestopp, sind Recruiting-Aktivitäten vorübergehend stillgelegt, übersteigt die Anzahl der Anfragen und Kontaktaufnahmen die Kapazitäten? Alles kein Problem – wenn Sie es freundlich kommunizieren. Nehmen Sie sich die Zeit und beantworten Sie auch liegengebliebene Bewerbungen, indem Sie den Bewerbern den aktuellen Stand der Dinge mitteilen. Sie zahlen damit auf Ihr eigenes Employer-Branding-Konto ein!

4. Der Ton macht die Musik

Ganz unabhängig von der aktuellen Lage gilt im Recruiting dieselbe Grundregel wie im Marketing: Unternehmen können nur wirklich effizient verkaufen, wenn sie ihre Zielgruppe genau kennen. Und weil Jobs mindestens so vielfältig sind wie die Personen, die sie ausführen, ist eine zielgruppenspezifische Ansprache der Kandidaten unumgänglich. 72 Prozent von über 500 österreichischen Unternehmen setzen dies auf ihren Karriere-Websites bereits um und schneiden Inhalte passgenau auf die potenziellen Kandidaten zu – von Wording und Gestaltung bis zu den gebotenen, für die jeweilige Gruppe besonders relevanten Informationen.

Recruiting Hack #4: Richten Sie auf Ihrer (Karriere-)Website verschiedene Bereiche für verschiedene Zielgruppen ein und stimmen Sie die Inhalte auf diese ab. Damit finden Lehrlinge in ihrem Bereich zum Beispiel Links zu gut gefüllten und aktuellen Social-Media-Profilen, Berufserfahrene können sich über Weiterbildungsoptionen und Benefits informieren, Studenten erfahren alles über Ein- und Aufstiegschancen.

5. Ein freundliches Gesicht

Auch in diesem Punkt darf sich das Recruiting etwas vom Marketing abschauen, und auch dieser Punkt gilt vor, während und nach Ausnahmesituationen wie der aktuellen. Denn für Unternehmen gilt genauso wie für Marken: Es ist entscheidend, einen positiven Eindruck zu hinterlassen, und zwar nicht nur bei Bewerbern, sondern auch für grundsätzlich am Unternehmen Interessierte.

Am einfachsten ist dieser positive Eindruck herzustellen, indem das Unternehmen ein freundliches Gesicht erhält – das des zuständigen Recruiters. Klingt logisch, wird aber von den größten österreichischen Unternehmen zunehmend vernachlässigt: Um zehn Prozent ist im Jahr 2019 die Zahl derer gesunken, die auf ihrer Karriere-Website einen konkreten persönlichen Kontakt inklusive Kontaktdaten angeben, und steht derzeit bei 42 Prozent.

Recruiting Hack #5: Zeigen Sie Bewerbern, an wen sie sich mit Unterlagen und – gerade jetzt – Fragen wenden können. Dazu reicht grundsätzlich ein Name und eine E-Mail-Adresse, wer sich wirklich von der Konkurrenz abheben möchte, ergänzt die Daten noch um ein Foto und Links zu Social-Media-Profilen. Richten Sie in der Krisenzeit eine Chat-Sprechstunde ein, in der ein Recruiter an einem vorher festgelegten und kommunizierten Zeitpunkt für Fragen zur Verfügung steht!

6. An die Zukunft denken

Niemand weiß derzeit so genau, wann sich die Lage wieder beruhigen wird. Fest steht aber: Sie wird sich wieder beruhigen. Die Wirtschaft wird sich wieder erholen und Unternehmen wieder den vollen Betrieb aufnehmen können. Und dann sind sie wieder umso gefragter: die Einhörner. Im Vorteil werden dann jene Arbeitgeber sein, die schnell reagieren und ein konkretes Profil der Wunschkandidaten haben.

Recruiting Hack #6: Nutzen Sie die Zeit und planen Sie voraus – kurzfristige Änderungen sind immer möglich. Doch wer bereits jetzt den grundlegenden Recruiting-Fahrplan für die Zeit nach der Krise kennt, wird sich dann schneller wieder in den Normalzustand einpendeln. Also überarbeiten Sie Ihre Karriere-Website, strukturieren Sie die Stellenausschreibungen neu, sammeln Sie Ideen.

Webtipp

BEST RECRUITERS ist die größte wissenschaftliche Recruiting-Studie im deutschsprachigen Raum und untersucht jährlich rund 1300 der an Umsatz und Mitarbeiteranzahl gemessen größten Arbeitgeber im DACH-Raum, über 500 davon aus Österreich, nach über 240 Kriterien auf ihre Recruiting-Qualität. In Zusammenarbeit mit einem wissenschaftlichen Beirat wird der Kriterienkatalog jährlich evaluiert und überarbeitet. Mehr Informationen zur Studie und Teilnahme gibt es auf www.bestrecruiters.eu

Profilbild Julia Hauska
Julia Hauska

Julia Hauska analysiert zusammen mit ihrem Team seit Jahren die Recruiting-Aktivitäten der größten Arbeitgeber im DACH-Raum. Durch die Studie BESTRECRUITERs hat sie einen sehr guten Überblick über Trends im Recruiting und den aktuellen Stand der Praxis.

Julia Hauska

Julia Hauska analysiert zusammen mit ihrem Team seit Jahren die Recruiting-Aktivitäten der größten Arbeitgeber im DACH-Raum. Durch die Studie BESTRECRUITERs hat sie einen sehr guten Überblick über Trends im Recruiting und den aktuellen Stand der Praxis.